Flugurlaub in Kroatien

Montag: Wo geht’s hier nach Kroatien?

Montag morgen 8. Juli 2019, 8 Uhr, Flugplatz Erbach. Kevin und ich sind gewappnet mit jeweils einer Woche Urlaub, einer Reservierung für unsere Aquila A210 D-ERLL und einem designierten Ziel: Kroatien. Nach unserem Ausflug nach Schweden im Oktober 2018 der Aufgrund des Herbstwetters mit seinen Tiefdruckgebieten nicht ganz nach Plan verlief haben wir uns für diese Reise bewusst ein Ziel und eine Jahreszeit mit stabilem Wetter ausgesucht.

Kroatien ist zwar Teil der Europäischen Union, aber nicht Teil des Schengen-Raums. Das bedeutet für uns, dass wir innerhalb des Schengen-Raums eine Ausreisekontrolle und in Kroatien eine Einreisekontrolle einplanen müssen. Möglich sind solche Kontrollen nur an einem sogenannten “Port of Entry”, was unsere Routenplanung deutlich einschränkt – denn bis auf einzelne Ausnahmen sind das in der Regel Verkehrsflughäfen.

Ursprünglich wollen wir diese Formalitäten bei einem Zwischenstopp in Zell am See LOWZ und an unserem Tagesziel Rijeka LDRI auf der Insel Krk erledigen. Die Flugroute würde uns in diesem Fall durch die österreichischen und slovenischen Alpen führen. Der Blick in die Wetterkarte führt allerdings schnell zu Ernüchterung – über Deutschland liegt ein Tiefdruckgebiet dessen Kaltfront gerade auf den Alpenhauptkamm zusteuert. Aus dem Meteorologieunterricht wissen wir, dass wir in solchen Fällen tief hängende, geschlossene Wolkendecken auf der Alpennordseite erwarten dürfen. Die Wetterbeobachtung bestätigt unsere Befürchtungen in dieser Hinsicht. In dieser Wetterlage die Alpen zu überqueren kann am Ende eines ansteigendes Tales leicht in brenzlige Situationen führen.

So einfach Aufgeben möchten wir aber auch nicht und greifen zum Telefon um uns an der Hotline des Deutschen Wetterdienstes Rat von den Profis zu holen. Der Wetterfrosch am Ende der Leitung verrät uns in einem halbstündigen Gespräch, dass wir es in einem Zwei-Stunden-Fenster vermutlich nach Zell am See schaffen würden, aber von dort nach Süden eher kein Durchkommen ist. Alternative Routen durch die Alpen sind ebenso keine Option, und so bleibt dem Meteorologen nur uns auf Wetterbesserung am Dienstag zu vertrösten. Die qualifizierte Beratung kostet uns aufgrund des Minutenpreises der Hotline fast 40 Euro, aber immerhin haben wir einen guten Überblick was heute fliegerisch möglich ist.

EDNE – LHSM

Ungern möchten wir den Montag einfach aussitzen und damit einen Urlaubstag verschenken. Also muss ein Alternativziel her. Weil wir das Ziel Kroatien nicht aufgeben möchten bleibt uns nur der Weg nördlich an den Alpen entlang – entweder nach Osten in Richtung Slovakei und Ungarn, oder nach Westen nach Südfrankreich. Der Flughafen Hévíz-Balaton LHSM hat eine Zollkontrolle für den Weiterflug nach Kroatien, AVGAS vorrätig und ist sowohl nah an Kroatien als auch ausschließlich über die niedrigeren Ausläufer der Alpen nach Osten zu erreichen.

Mit einem Ziel vor Augen geben wir den für den Grenzüberflug obligatorischen Flugplan elektronisch auf und machen uns nördlich an München und Linz vorbei auf den Weg. Ohne dass wir danach fragen mussten kümmert sich Wien Information um eine Durchfluggenehmigung des Luftraums D über Linz und übergibt uns dazu an Linz Radar – Service den wir aus Deutschland üblicherweise nicht gewohnt sind. Vor dem Luftraumtrichter für Wiens internationalen Flughafen Schwechat drehen wir nach Südosten um das Burgenland nach Ungarn zu verlassen. Positiv überrascht sind wir vom perfekten Englisch des Controllers auf Budapest Information, der uns schließlich 25 Minuten später und nach drei Stunden Flugzeit an Balaton Tower übergibt. Unsere Gesäße nähern sich zu diesem Zeitpunkt ihrer Belastungsgrenze und freuen sich auf die bevorstehende Landung. Trotz ausgewiesener Kontrollzone meldet sich auf der Frequenz des Balaton Airport nur “Balaton Info”, d.h. wir dürfen Infos aber keine Anweisungen erwarten. Zu unserer Überraschung gibt es aber dann doch eine explizite Landefreigabe anstatt dem üblichen Hinweis, dass die Landung nach eigenem Ermessen erfolgt.

Die Bahn des ehemaligen sowjetischen Militärflughafens ist in sehr gutem Zustand, das Terminalgebäude zwar klein aber offensichtlich modern und gut gepflegt. Beim Verlassen des Sicherheitsbereichs werden unsere Ausweise kontrolliert. Es ist kurz nach 14:00 Uhr als wir am Balaton landen, also noch mehr als genug Zeit um ein Hotel zu organisieren oder andere Pläne zu schmieden. Wir werfen einen Blick in die Wettersituation uns sind uns einig dass wir die 1:20h zu unserem ursprünglichen Tagesziel Rijeka ohne Probleme noch fliegen können. Ein kurzes Telefonat später wissen wir auch, dass man in Rijeka einen Parkplatz für uns hat. Nachdem wir die (mit 29 Euro im akzeptablen Preisrahmen) Landegebühren bezahlt haben fragen wir nach der Sicherheits- und Zollabfertigung zum Weiterflug nach Kroatien – der Grenzer winkt aber nur ab und schon stehen wir wieder auf dem Rollfeld.

LHSM – LDRI

Wir geben einen Flugplan auf und verlassen den Balaton mit einem Blick auf heruntergekommene alte sowjetische Plattenbauten und andere verfallene Überbleibsel des ehemaligen Militärflugplatzes. Zurück auf Budapest Information möchte man wissen auf welcher “Ladder” wir die Grenze nach Kroatien überqueren möchten – wir sind zunächst perplex, der Controller bleibt aber persistent und paraphrasiert mit “Altitude”, wodurch uns ein Licht aufgeht – gemeint war “Level”.

Anders als in Deutschland, Österreich und Ungarn ist der Luftraum in Kroatien signifikant anders strukturiert: Bereits in 1000 Fuß über Grund beginnt kontrollierter Luftraum, in dem Freigaben erforderlich sind. Das bedeutet für uns dass der Controller in Zagreb wie bei einem Linienflug überwacht (und eigentlich vorgibt) was wir fliegen. In der Praxis stellt sich das als unkompliziert heraus: Wir bekommen die im Flugplan aufgegebene Route ohne weitere Anweisungen.

Quasi direkt fliegen wir nördlich an Zagreb vorbei über wunderschön grüne Landschaften auf Rijeka zu. Kurz vor der Küste steigen wir noch auf 4500 Fuß um über die Berge zu kommen bevor wir am Funk von Rijeka Tower empfangen werden. Mit 2500 Metern ist die Piste für uns mehr als überdimensioniert – die 700 Meter bis zum ersten Taxiway reichen uns auch. Man weist uns eine Parkposition in linienjetgröße neben einer Ryanair 737 zu. In erster Reihe sehen wir beim Ausladen, wie der Jet anlässt und zur Startbahn rollt. Nachdem sich der Lärm der Triebwerke gelegt hat erklären uns die Ramp Agents dann auch, warum wir nicht auf einer der kleineren Parkpositionen auf der anderen Seite des Vorfeldes stehen: Man erwartet in der Nacht starke Seewinde und schiebt unser Flugzeug deshalb näher an ein Gebäude im Windschatten eines parkenden Feuerwehrtrucks – ein erster Einblick in das fast überall exzellente Handling, das wir auf dieser Reise sehen sollten.

Am Flugplatz gönnen wir uns ein “jetzt ist Urlaub”-Bier in der Sonne, buchen ein Hotel im Touristenörtchen Soline an der gleichnamigen Bucht im Osten der Insel Krk und bestellen ein Taxi als Transport. Die ersten Schwimmzüge im Meer absolvieren wir auch schon an diesem Abend – ansonsten ist Soline aber ein verschlafenes Kaff. Das nächste Restaurant wäre im Nachbarort in eineinhalb Kilometer Entfernung. Stattdessen genießen wir mehrere Gänge in der Abendsonne im Hotelrestaurant am Pool. Für einen mehrtägigen Aufenthalt wäre uns der Ort wohl zu langweilig, aber für den ersten Abend entschädigt der Blick über die Bucht.

Dienstag: Auf nach Split

LDRI – LDSP

Am Dienstag morgen telefonieren wir während dem Frühstück im Hotel mit der Abfertigung in Split LDSP, unserem nächsten Reiseziel. Man gibt uns zu verstehen, dass wir per E-Mail einen Antrag mit unseren Flugdaten stellen müssen und dann eine Slotzeit zugeteilt bekommen. Im Taxi auf dem Weg zum Flugplatz plane ich die Flugroute von Krk über die Inseln Plavnik, Rab, die Nordspitze der Insel Pag, Olib, Ist, entlang der “langen Insel” Dugi Otok und schließlich über Žirje nach Split. Weil die Route wegen der malerischen Inseln unter Sichtfliegern beliebt ist, bieten die kroatischen Behörden diese Kombination auch als “ADRIA 1” als vorgefertigte Route an. Ich gebe den Flugplan fälschlicherweise zunächst in Lokalzeit auf und versuche den Fehler durch die “Amendment”-Funktion zu beheben.

Zurück am Flughafen Rijeka bringt man uns nach der Anmeldung an der Information durch die Sicherheitskontrolle zurück zu unserem Flieger. Nach dem Anlassen weist uns der Tower auf dem Taxiway darauf hin, dass unser Flugplan unseren Start erst in zwei Stunden vorsieht – die Zeitkorrektur per Amendment hat also offensichtlich nicht geklappt. Vom iPad aus geben wir bei laufendem Motor einen korrigierten Plan auf, der dank moderner Technik in unter einer Minute am Tower ankommt. Derartig schnelle Verfahren sind wir aus Deutschland nicht gewohnt, wo der Flugplan mindestens 30 Minuten vor Abflug aufgegeben werden muss. Ebenfalls neu für uns als VFR-Flieger ist, dass wir in Kroatien aufgrund der bereits erwähnten Luftraumstruktur analog zu den Instrumentenfliegern vor dem Start eine Clearance bekommen und zurücklesen müssen. Der Funkspruch folgt dem CRAFT-Schema (Clearance Limit, Route, Altitude, Frequency, Transponder), also in etwa “Cleared to Split, via M1, flight-planned route, squawk 1235”. Die Höhe ist bereits durch die Route festgelegt und die Frequenz von Zadar Radar bekommen wir erst beim Verlassen des Luftraums von Rijeka. Glücklicherweise hatten wir im Winter vorher dieses Verfahren als Vorbereitung auf das AZF geübt.

Nach dem Start merken wir dass ich mich nicht nur zwischen UTC- und Lokalzeit, sondern auch in der Dauer unseres Fluges verheddert hatte und wir knapp eine Stunde vor unserer Slotzeit in Split ankommen würden. Mit reduzierter Leistung strecken wir bei 80 statt den üblichen 105 Knoten den Flug von 1:30h auf 1:57h und genießen die Insellandschaft unter uns mit einigen Vollkreisen zum Sightseeing. Kleinere Gewitter auf der ADRIA-1-Route umfliegen wir ohne größere Probleme, aber leider schaffen es die Regenausläufer nicht unseren Flügel zu putzen.

Eine halbe Stunde vor unserer Slotzeit übergibt uns Split Radar an den Tower – wir sind allerdings zu niedrig für eine Funkverbindung, weil eine Bergkette auf der Nordseite des Flughafens die Antennen abschirmt. Ohne entsprechende Freigabe steigen wir kreisend außerhalb der Kontrollzone bis wir zumindest verstehen, dass uns der Tower zurück auf der Radarfrequenz möchte. Dort erhalten wir dann die Einfluggenehmigung in den Endanflug, wo wir auch Split Tower empfangen. Der Anflug selbst führt über eine landschaftlich reizvolle Bucht mit azurblauem Wasser und malerische mediterrane Ortschaften und könnte geradezu im Bilderbuch stehen. Von den 2250 Metern Landebahn nutzen wir wie gehabt nur 900 Meter bis zum ersten Taxiway, wo uns ein Follow Me-Fahrzeug bereits erwartet und zur Parkposition geleitet. Auch hier macht sich der Ramp Agent sofort Gedanken dazu, wie die Aquila zu sichern ist. Wir schrauben die mitgebrachten Ösen in die Verzurrpunkte unter dem Flügel kurz bevor die Kavallerie anrückt: Ein Gabelstapler bringt die Betonklötze zum Anbinden.

Vom außerhalb gelegenen Flughafen erreichen wir mit dem Katamaran die Innenstadt. In unserer Unterkunft Villa Baguc am nördlichen Rand des venetiantischen Teils der Innenstadt nimmt sich der Eigentümer eine Stunde lang Zeit, um uns ausführlich Sehenswürdigkeiten und Stadtgeschichte zu erklären und Restaurantempfehlungen und einen kurzen Überblick über kroatische Weine zu geben. Als er hört dass wir mit dem Flugzeug unterwegs sind empfiehlt er uns für die nächste Etappe nach Brač auch gleich noch eine Flugroute über eine Reihe von Sehenswürdigkeiten. Als wir die Frage ob wir heute noch fliegen verneinen kommen wir auch um den hausgemachten Willkommensschnaps nicht mehr herum…

Auf die Empfehlung unseres Gastgebers essen wir in der Konoba Otprilike Ovako, einem familiengeführten kleinen Hinterhofrestaurant, einen nicht ganz billigen aber vorzüglichen traditionell kroatischen Fischeintopf. Unser Abendplan der Erkundung des römischen Teils der Innenstadt, der – unter anderem – Split 1979 zum UNESCO Weltkulturerbe gemacht hat fällt leider buchstäblich ins Wasser: Ein heftiges Sommergewitter überrascht uns an der Hafenpromenade, so dass wir stattdessen in einer überdachten Cocktailbar Zuflucht suchen.

Mittwoch: Stadtbesichtigung in Split

Wir beginnen den dritten Tag unserer Reise mit einem vorzüglichen Frühstück mit familiärer Atmosphäre in unserer Unterkunft. Kurz nachdem wir das Hotel verlassen haben beginnt der neue Tag wie der Alte zu Ende ging mit einem überraschenden Wolkenbruch, der uns durch zentimeterhohes Wasser in den Straßen erstmal nasse Socken beschert bevor wir es zurück ins Zimmer schaffen. Als der Regen schließlich am späten Vormittag nachlässt schaffen wir es doch noch trockenen Fußes den Diokletianpalast zu besichtigen. Nach dem Mittagessen an der Strandpromenade leihen wir uns bei einem eingewanderten Australier der gar nicht mehr aufhören wollte zu reden zwei Fahrräder. Unser Plan ist am nördlichen Rand der Halbinsel auf der Split liegt in Richtung Festland einen Badestrand zu finden. Stattdessen treffen wir auf eine Marina, ein Fußballstadion, eine in die Jahre gekommene Schwimmhalle mit Außenbecken und schließlich nur noch triste Hafen- und Industrieanlagen. Schließlich kehren wir um, um in westlicher Richtung um den mit Kiefernwald bedeckten Berg Marjan herum die Natur zu genießen und finden auf dessen südlicher Seite mit dem Kasjuni-Strand doch noch den Einsprungspunkt ins kühle Nass.

Auf dem Rückweg werden wir dann noch vom Berg aus mit einem Blick über die Innenstadt von Split belohnt bevor wir die Fahrräder abgeben und den Abend mit einem Spaziergang entlang des Ufers und einem Essen an der Promenade ausklingen lassen. Beim Essen melden wir uns schon mal per E-Mail an unserem Tagesziel für Donnerstag, dem Flughafen Brač LDSB. In diversen Foren hatten wir gelesen, dass man auf jeden Fall aufgrund der Parksituation vorher anfragen sollte, weil der Platz wohl in der Allgemeinen Luftfahrt recht beliebt sei.

Donnerstag: Kurzer Hüpfer ans Goldene Horn

LDSP – LDSB

Nach dem Frühstück und dem Auschecken nehmen wir wieder das Schiff zurück auf die andere Seite der Bucht zum Flughafen. Auf dem Boot geben wir wie mittlerweile schon mehrfach praktiziert vom iPad mit Foreflight den Flugplan auf – dieses mal auch mit den richtigen Zeiten… wie auch während unserem letzten Trip nach Schweden leistet uns das iPad gute Dienste. Zusätzlich zu den über Eurocontrol verfügbaren Anflugkarten haben wir in Kroatien aber auch die Jeppesen VFR-Karten, für die ich an der AERO 2019 in Friedrichshafen eine Testversion ergattert hatte, im Gepäck. Im Terminal angekommen melden wir uns an der Information und werden durch die Security geführt. Anders als in kommerziellen Flügen sind Flüssigkeiten in der allgemeinen Luftfahrt übrigens kein Problem: Unsere Wasserflaschen stören auch offen am Rucksack getragen niemanden. In einem Van fahren uns die Vorfeldarbeiter zum Flugzeug, dass zwischenzeitlich platzsparender umgeparkt wurde. Bezahlt wird per Kreditkarte direkt im Van, wo uns auch die Rechnung ausgedruckt wird. Summa summarum kosten uns zwei Nächte Parken plus Landung, Abfertigung und Handling umgerechnet knapp 44 Euro – zu diesen Preisen für solchen Service kommen wir gerne wieder.

Vor dem Abflug möchte uns der Controller zunächst scheinbar einen Gefallen tun und erteilt uns unsere Freigabe “direct destination”. Auf unsere Bitte zum Sightseeing wie aufgegeben zu fliegen bekommen wir aber problemlos auch unsere Wunschroute. “D-ERLL, caution wake turbulence, right turn after departure, runway zero five intersection alpha, cleared for takeoff,” hören wir auf der Frequenz vom Towerlotsen und geben auf der für uns überdimensionierten Startbahn Vollgas. Mit einem Blick über die Bucht, die uns schon im Anflug den Atem geraubt hatte, verabschieden wir uns von Split auf dem Weg Nach Süden.

Unsere Route führt zunächst über die Inseln Čiovo und Šolta südlich aus dem Luftraum von Split und dann nach Osten zwischen die Lavendelinsel Hvar und Brač, wo wir nach nur 25 Minuten unseren Anflug beginnen. Split Radar weist uns darauf hin, dass Brač Tower nicht im Dienst ist und entlässt uns an Brač Radio, dass wie eine Unicom-Frequenz in den USA funktioniert – d.h. man sendet blind Positionsmeldungen, erhält aber keine Antwort. Im Anflug auf die Piste 04 überfliegen wir zunächst den Touristenort Bol und das aus der Luft sehr markante “Goldene Horn” (Zlatni rat), das als schönster Strand Kroatiens gilt. Danach folgt eine 500 Höhenmeter umfassende Steilküste vor dem auf einem Höhenplateau gelegenen Flughafen – Kroatiens Adriaküste hat definitiv einige sehr schöne Anflüge zu bieten!

Beim Abrollen empfängt uns ein Follow Me-Fahrzeug, das uns per Schild und Handzeichen anbietet den Tankwagen für uns zu rufen. Auf dem Weg zur Parkposition geben wir noch die durch den Wind präferierte Landerichtung an ein Kleinflugzeug aus der Slovakei weiter, dessen Pilot sich nach uns auf Brač Radio meldet und anscheinend nicht mit der ausbleibenden Antwort gerechnet hat. Beim Auspacken am Boden fällt uns ein größerer Achtbeiner auf, der sich im Schatten unserer Aquila sichtlich wohl fühlt. Das Flughafenpersonal bezeichnet das Tier am nächsten Morgen während der Abrechnung als “a friend of ours”, befördert den Besucher dann aber mittels eines Blattes Papier mit Nachdruck aus der Tür des kleinen Büros 😂. Auf dem Vorfeld sehen wir außerdem ein eigenartiges Fluggerät, dass sich im Gespräch mit den kürzlich angereisten österreichischen Herstellern als Rettungs-Such-Drohne der European Maritime Safety Agency EMSA herausstellt.

Am Ausgang treffen wir den Piloten der slovakischen Maschine – er ist Geschäftsmann aus Bratislava und spricht gut Deutsch. Wir Teilen uns das Taxi ins 14 km entfernte Bol, wo er uns berichtet, dass er in dem Touristenort eine Kneipe besitzt, die von seinen Kindern betreut wird und er hier ist um “mal nach dem Rechten zu sehen”.

Den Nachmittag verbringen wir am Strand in Sichtweite des goldenen Horns “Zlatni Rat” bis der auffrischende Wind das Schwimmen zu anstrengend werden lässt und wir den Kiesstrand durch die Hafenpromenade von Bol ersetzen. In der Marina liegen mehrere Dutzend Segelyachten der gerade laufenden Yacht Week. Wir folgen dem Strand bis kurz vor ein Dominikanerkloster das direkt neben einer Bucht am Wasser liegt und biegen wieder ins Inselinnere ab, wo wir kurz darauf die Schattenseiten eines Touristenörtchens entdecken: Ein Gebäude, das aussieht wie eine alte Schule ist völlig verfallen und mit Graffiti bedeckt, daneben stehen heruntergekommene aber noch benutzte Wohnblocks. Zurück im Kern des Örtchens suchen wir nach einem Abendessen. Das Restaurant direkt am Wasser das sich auf Steak und Thunfisch vom heißen Stein spezialisiert hat sieht zwar sehr appetitlich aus, ist aber völlig überfüllt. Stattdessen genehmige ich mir das Thunfischsteak dass seit Split auf meiner Wunschliste steht in einem der anderen Restaurants an der Promenade. Den Abend lassen wir in einer Strandbar mit DJ vor unserem Hotel ausklingen, während wir schon mal das PPR-Formular des Flughafens Dubrovnik für den Folgetag ausfüllen.

Freitag: Dubrovnik

LDSB – LDDU

Trotz der Anfrage am Abend vorher haben wir am Freitag morgen noch keine Bestätigung, dass wir am Flughafen Dubrovnik LDDU parken können. Bei allen anderen Plätzen die wir bisher angeflogen sind ging das deutlich schneller. Wir wollen daher ohne Bestätigung nach Dubrovnik, mit dem Risiko, dass wir u.U. nicht über Nacht bleiben können. Beim Bezahlen in Brač erhalten wir eine aufwändig gestaltete Bonuskarte, die die dritte Landung im laufenden Jahr mit der gleichen Maschine kostenfrei machen würde. Die Karte nehmen wir als Andenken mit, auch wenn wir eigentlich nicht vor haben nochmal in Brač zu landen.

Der Abflug über die Piste 22 in Gegenrichtung der Landung vom Vortag gewährt uns noch einen letzten Blick über die Steilküste, Bol und den Strand bevor wir nach Nordosten drehen. Ich habe die Frequenz gerade auf Split Radar gewechselt und will mich melden, als uns die kroatischen Lotsen uns schon mit Transpondercode und der Freigabe für die restliche Flugroute zuvorkommen. Der Radarservice fällt uns zum wiederholten Male in Kroatien als sehr kompetent und zuvorkommend auf.

Mit einer Flugzeit von etwa einer Stunde führt uns unsere Route über den östlichen Zipfel der Insel Hvar über die Stadt Korčula, druch turbulente Luft entlang der Insel Mljet in die Kontrollzone von Dubrovnik. Dubrovnik Tower hat parallel eine Dassault Falcon im Anflug und gibt uns zu verstehen, dass wir Gas geben sollen, wenn wir davor noch landen wollen – eine Anfrage die wir Aufgrund unserer aktuellen Geschwindigkeit von 130 Knoten die wir gerademal im Sinkflug eben so schaffen verneinen müssen. Stattdessen wird es ein Vollkreis und die Landefreigabe nach dem Jet auf der Bahn 11. Obwohl wir keine Bestätigung des Flughafens hatten bekommen wir Sprit und werden abgeholt. Anders als mittlerweile aus Kroatien gewohnt müssen wir uns um Verzerrung aber selbst kümmern, und auch sonst scheint man in Dubrovnik eher Jet-Verkehr als unsere Kategorie zu erwarten.

Mit dem Bus geht es zum Busbahnhof in Dubrovnik der immerhin 30 Gehminuten von unserem Hotel entfernt liegt. Vom Hotel in die historische Altstadt brauchen wir zu Fuß nochmal 25 Minuten über das hügelige Gelände. Zeit haben wir genug, und ein bisschen Sport schadet uns sicherlich auch nicht, also sehen wir von einem Taxi ab. Die Altstadt selbst ist zwar wunderschön, aber leider touristisch sehr überlaufen. Menschenmassen drängen sich in den engen Gässchen und an jeder Ecke werden geführte Touren zu Game of Thrones angeboten, als hätte es die Stadt vor der Serie nicht gegeben. Außerhalb der historischen Weltkulturerbe-Altstadt wird die Liste der besuchswürdigen Orte schnell recht kurz: Die Seilbahn auf den Hausberg läuft nicht und für eine ganztägige Bootstour sind wir zu spät.

Samstag: Ums Wetter zurück nach Norden

LDDU – LDSB

Beim Frühstück schauen wir kurz ins Wetter und stellen fest dass uns nicht gefällt was wir sehen. Eine breite Gewitterlinie erstreckt sich über die ganze Adria und wandert nach Süden. Der Trend sagt, dass sie in Richtung Landesinnere zieht und schwächer wird. Wir wollen daher los bevor die Linie am frühen Nachmittag Dubrovnik erreicht und uns länger festhält als uns lieb ist. Im Zweifelsfall haben wir vollgetankt und damit genug Sprit um über die Adria bis nach Italien zu kommen wo das Wetter gut ist. Den Flugplan geben wir zu unserem Tagesziel Lošinj LDLO auf.

Dank der vielen amerikanischen Gäste in Dubrovnik gibt es mit Uber eine günstige Alternative zu Taxen, die uns schneller zum Flughafen bringt als der Bus. Der Chef der General Aviation-Abteilung, bei dem wir die Landegebühren bezahlen, spricht (sichtlich stolz) sogar Deutsch. Am Flieger machen wir gerade die Vorflugkontrolle als uns der Pilot des benachbarten A321 auf unsere Aquila anspricht und sich unser Flugzeug ansieht. Er berichtet ebenfalls von Gewittern im Norden meint aber in niedriger Höhe könnte es schon gehen. Leider haben wir’s eilig, sonst hätten wir gerne noch ein paar Minütchen mit ihm gequatscht oder einen Gegenbesuch an seinem Flieger gemacht.

Als wir schon auf der Landebahn stehen wechselt die Stimme am Funk plötzlich und fragt uns, ob wir uns über das Wetter auf unserer Route informiert haben. Wir können den Meteorologen beruhigen als wir ihm erklären, dass wir Bescheid wissen und nötigenfalls einen Ausweichflugplatz anfliegen werden. Als Antwort bekommen wir von der vorherigen Stimme eine Startfreigabe. Unsere Route führt uns entgegen dem Weg den wir nach Süden geflogen sind immer an der ADRIA-1-Route über die Inseln zurück nach Norden. Vor Split verschlechtert sich die Wettersituation dann allerdings zusehends. Das Infrarot-Satellitenbild aus der App des DWD sagt uns, dass sich die Wolken eigentlich jede Minute auflösen müssten, was der Blick aus dem Fenster allerdings nicht bestätigt. Schließlich beschließen wir Split Radar nach einer Ausweichlandung in Split zu fragen, um das Wetter abzuwarten. Laut Controller kann der Flughafen Split uns nicht aufnehmen, er bietet uns stattdessen ein paar Minuten Flug nach Süden und eine Landung in Brač an. Wir akzeptieren und bekommen prompt Vektor zum Platz und eine neue Flughöhe zugewiesen. In Brač ist der Tower bei dieser Landung aktiv und man gönnt uns sogar die Festbeleuchtung entlang der Landebahn.

LDSB – LDLO

15 Minuten später regnet es in Brač. Wir beobachten die Abfertigung von zwei Dash 8 der Croatia Airlines bei einem Kaffee von der Terrasse aus und setzen nach einer Stunde Wartezeit unseren Flug bei strahlendem Sonnenschein fort, nicht ohne jedoch den zweiten Stempel auf unserer Bonuskarte mitgenommen zu haben.

In Lošinj bekommen wir problemlos einen Parkplatz. Mit 900 Metern Landebahn ist der Platz offensichtlich auf die allgemeine Luftfahrt ausgelegt. Entsprechend klein ist das “Terminal”-Gebäude: Wir betreten einen schmucklosen Raum, dessen Holzdielenboden unter unseren Füßen ächzt, gehen zehn Schritte und stehen schon vor der Tür ins Freie. Neben den Platz gibt es ein kleines Restaurant mit angeschlossenem Taxiunternehmen, wo wir uns ein erstes Bier gönnen. Während der Wartezeit organisieren wir uns ein Zimmer im 4-Sterne Hotel Aurora und bekommen wegen der langen Wartezeit das zweite Bier umsonst. Am hoteleigenen Strand in einer Bucht im Westen der Insel genießen wir den Nachmittag bis zum Sonnenuntergang. Den letzten geplanten Abend unserer Reise lassen wir an der Promenade von Mali Lošinj bei Gitarren-Livemusik gelungen ausklingen.

Sonntag: Über die Alpen zurück: Geht’s oder geht’s nicht?

LDLO – LJPZ

Sonntag Morgen sammeln ein paar letzte Sonnenstrahlen am Strand und genießen die letzten Stunden unseres Urlaubs im Süden. Ab und zu fragen wir die App des Deutschen Wetterdienstes nach der aktuellen Vorhersage für die Alpenregion – und was wir sehen bereitet uns etwas Stirnrunzeln: Niedrige Wolken und Gewitter stehen auf dem Plan. Wir freunden uns also sicherheitshalber schon mal mit dem Gedanken an, dass es heute eventuell nicht zurück nach Deutschland geht. So weit wie möglich möchten wir aber dennoch schon fliegen.

Zurück am Flugplatz Lošinj lassen wir das Flughafenpersonal nach der Bezahlung der Lande- und Parkgebühren die Polizisten zur Ausreise aus Kroatien rufen, die sich etwas widerwillig aus der benachbarten Bar zur Passkontrolle schleppen. Trotz vorhandener Gepäckdurchleuchtungsanlage interessieren unsere Habseligkeiten scheinbar nicht. Bei der Vorflugkontrolle entscheiden wir sicherheitshalber für den 40-Minuten-Hüpfer nach Portorož LJPZ in Slovenien noch einmal volltanken zu lassen. Die Freigabe für unserer Flug weicht zum ersten mal deutlich von unserem aufgegebenen Flugplan ab: Wir wollten durch die Kontrollzone von Pula, man genehmigt uns aber nur einen Umweg um die Kontrollzone herum. Prompt habe ich Schwierigkeiten die Freigabe korrekt zu verstehen, auch weil man uns als initialen Punkt nach dem Start ein unidirektionales Funkfeuer (ein sog. NDB) zuweist, das wir mangels entsprechender Instrumentierung gar nicht empfangen können. Als der Controller dann aber das Kürzel “NDB” nutzt lösen sich meine Verständnisschwierigkeiten auf. Im Flugfunk bestätigt sich wieder einmal, dass einen Funkspruch so zu erwarten bereits das halbe Verständnis ist.

Nach der Landung in Portorož passieren wir die Grenzkontrolle für Schengen und lassen den etwas genervten Tankwagenfahrer wegen 15 Liter nochmal anrücken – über den Alpen ist eine Sicherheitsreserve aber immer eine gute Idee, und für den Drei-Stunden-Direktflug waren wir dann auch froh den Sprit noch zu haben. Etwas überrascht sind wir von der parkenden Gulfstream G550, die immerhin zwischen 21,9 und 41,2 Tonnen wiegt. Mit etwa 850 Metern Landerollstrecke können wir ja noch verstehen, wie der Pilot die Maschine auf der 1200 Meter langen Landebahn zum stehen gebracht hat, aber die Startrollstrecke von 1800 Metern bei Maximalgewicht macht es wohl selbst kaum beladen zu einem knappen Manöver in Portorož wieder zu starten.

LJPZ – EDNE

Von Portorož wollen wir über die Adria nach Italien und dann über Gardasee, Bozen, Brenner, an Innsbruck vorbei und schließlich von Füssen aus schnurstracks nach Norden. Nach dem Start bekommen wir (wohl wegen unserer niedrigen Flughöhe) keine Verbindung zu Pula Radar. Freundlicherweise spielt ein anderer Pilot auf der gleichen Frequenz der uns beide hören kann das Relay. In der Mitte des Wassers werden wir per Relay an Padua Information weitergegeben, die wir erreichen; das italienische Funksystem produziert allerdings diverse Artefakte und Dopplungen des Signals, die außer Verständnisschwierigkeiten auch Kopfweh erzeugen. Die im Flugplan aufgegebenen Koordinaten-Punkte möchte man in Italien nicht und weist uns stattdessen VORs und andere Funknavigationshilfen zu. Fürs nächste Mal merken wir uns besser gleich die IFR-Wegpunkte zur Planung zu nutzen. Außerdem bekommen wir eine italienische Spezialität serviert, die wir bereits erwartet hatten: Wir müssen für jeden Punkt ein “estimate” angeben, also unsere geschätzte Überflugzeit. Etwas unerwartet fragt der italienische Lotse auch nach einem “estimate” für Brenner, wo wir Italien in Richtung Österreich verlassen wollen, und ich muss erstmal den Stift zum Rechnen zücken.

Mit Hilfe von Wolkenthermik steigen wir auf 7000 Fuß, bevor wir über dem Gardasee nach Norden drehen. Als wir Bozen überfliegen stellen wir uns schon mal darauf ein zur Not wieder hierhin zurück zu kehren, denn die GAFOR-Wetterinformation sagt für unsere geplante Route “X (geschlossen)”. Kurz vor dem höchsten Grat bei 7200 Fuß müssen wir dann doch etwas tricksen damit es mit unserem 100 PS-Motor (gemessen auf Meereshöhe) auf die Nordseite reicht – aber es reicht, und auch das Wetter im Norden sieht besser aus als vorhergesagt. Lediglich in einem Seitental kurz vor Reutte steht ein ordentliches Gewitter, dass wir aber problemlos links liegen lassen.

Als wir vor uns zwischen den Bergen beiderseits flacheres Gelände im Blick haben wechseln wir zurück in heimatliche Gefilde auf Langen Information und werden noch einmal einen kritischen Blick auf unsere Kraftstoffreserven. Laut GPS würden wir mit einer Flugzeit von 3 Stunden und 3 Minuten in Erbach landen, was mit vollen Tanks beim Start kein Problem sein sollte. Unsere Tankanzeige ist leider wegen der Befüllung mit AVGAS statt MOGAS wenig hilfreich, denn die unterschiedlichen elektrischen Widerstände der beiden Kraftstoffe verfälschen die Anzeige in Richtung kleinerem Tankinhalt. Ein lokales Gewitter über Ulm ist von Erbach weit genug weg so dass wir problemlos auf der Piste 03 landen können. Wir telefonieren noch kurz mit den deutschen Controllern um den Flugplan zu schließen, bevor wir tanken, auspacken, putzen, und den Flieger einhallen. Sieben ereignisreiche und faszinierende Tage Flugurlaub gehen zu Ende, und wir sind uns einig, dass es nicht die letzte Tour bleiben wird.